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I. Innenpolitik
An der Spitze der Regierung stand von August 2004 bis Januar 2006 Tsakhia Elbegdorj, Mitglied der Demokratischen Partei, DP. Zu den Parlamentswahlen im Juni 2004 trat die DP gemeinsam mit zwei weiteren
Oppositionsparteien an, der Partei âBĂŒrgerwille - Republikanische Parteiâ und der Patriotischen Partei. Dieses BĂŒndnis, die Demokratische Allianz, errang bei den Parlamentswahlen etwa die gleiche Anzahl an
Parlamentssitzen wie die MRVP (34 bzw. 33). Dies fĂŒhrte im August 2004 zur Bildung einer groĂen Koalition. Teile der Demokratischen Allianz schieden Anfang 2005 aus der Koalition aus, die aber weiter fortbestand.
MRVP und Demokratische Allianz hatten vereinbart, dass die MRVP zunÀchst den ParlamentsprÀsidenten und die Allianz den Premierminister stellen sollte und nach zwei Jahren ein Wechsel zwischen beiden erfolgt.
Am 22. Mai 2005 wurde Nambarin Enkhbayar (Mongolische RevolutionÀre Volkspartei, MRVP), der ehemalige MinisterprÀsident (2000-2004) und ParlamentsprÀsident, mit einem Stimmenanteil von 53% zum PrÀsidenten
gewĂ€hlt. Der PrĂ€sident ist Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates und Oberbefehlshaber der StreitkrĂ€fte. Das mongolische PrĂ€sidentenamt ist vorwiegend reprĂ€sentativ, der PrĂ€sident verfĂŒgt aber auch
ĂŒber grundgesetzliche Befugnisse, wie z. B. das Vetorecht gegen Gesetzesvorlagen und die Ernennung von GenerĂ€len und Richtern.
Am 11. Januar 2006 traten 10 Kabinettsmitglieder zurĂŒck, so dass in
Ăbereinstimmung mit der Verfassung der Mongolei eine Neuwahl erforderlich wurde. Das neue Kabinett wurde am 27.01.2006 gewĂ€hlt. MinisterprĂ€sident der neuen âRegierung der Nationalen SolidaritĂ€tâ wurde
Miyegombo Enkhbold, Vorsitzender der MRVP. Nambar Enkhbayar bleib PrĂ€sident der Mongolei. Die MRVP stellte den MinisterprĂ€sidenten, den AuĂenminister und den Minister fĂŒr Inneres und Justiz. Als einziger
Minister der vorherigen Regierung blieb Dendev Terbishdagva im Amt.
Am 22.11.2007 wÀhlte der Staatskhural der Mongolei Sanjaagiin Bayar (MRVP) zum Premierminister, und am 13.12.2007 nahm das neue Kabinett seine Arbeit auf.
Im Juni 2008 stehen neue Wahlen zum GroĂen Staatskhural bevor.
Die Regierung
verfolgt das Ziel, die sozialen Probleme der Mehrheit der Bevölkerung zu lindern, von der nach SchĂ€tzungen 50% unterhalb der Armutsgrenze lebt. Die fĂŒnf Entwicklungskriterien (Menschenrechte, Beteiligung der Zivilbevölkerung am politischen Prozess, Rechtsstaatlichkeit, marktfreundliche Wirtschaftsordnung und auf die Entwicklung des Landes orientiertes staatliches Handeln) werden von der mongolischen Regierung als Leitziele der Politik anerkannt. Die Regierung tritt fĂŒr die Verbesserung der Menschenrechte ein, darunter insbesondere der Rechte der Frauen (âAktionsplan Menschenrechte"). Die Regierung der Mongolei richtet ihre Aufmerksamkeit auf ArmutsbekĂ€mpfung und Kampf gegen die Korruption.
II. AuĂenpolitik
Die AuĂenpolitik der Mongolei wird durch seine geopolitische Lage zu den beiden groĂen Nachbarn Russland und China bestimmt. Es bemĂŒht sich um ein gutes, ausgewogenes VerhĂ€ltnis. Gleichzeitig sucht die
Mongolei zur Absicherung ihrer UnabhÀngigkeit möglichst enge Kontakte zu den USA, Japan und der EuropÀischen Union.
Das VerhĂ€ltnis zur Volksrepublik China ist vor allem fĂŒr den AuĂenhandel von groĂer
Bedeutung (Tianjin ist nĂ€chstgelegener Hafen). China ist der wichtigste Handelspartner fĂŒr KonsumgĂŒter; zahlreiche chinesische ArbeitskrĂ€fte arbeiten in der Mongolei. Die Beziehungen zu Russland sind immer noch
geprĂ€gt von der ambivalenten Erinnerung an 70 Jahre enger Anbindung an die Sowjetunion. Im Gefolge des Besuchs von PrĂ€sident Putin im Herbst 2000 kam es zu einer Intensivierung der grenzĂŒberschreitenden
Kooperation. Im Dezember 2003 gelang es, ein Abkommen zur Lösung der bilateralen Schuldenfrage zu schlieĂen. Die Beziehungen zu Staaten im asiatischen und pazifischen Raum gewinnen zunehmend an Bedeutung. Japan
als mit Abstand wichtigstes Geberland auf dem Gebiet der Entwicklungszusammenarbeit und bedeutender Investor erfreut sich in der Mongolei hohen Ansehens. Stetig ausgebaut werden auch die Verbindungen zu SĂŒdkorea,
Indien, Australien und Neuseeland.
Am 21. November 2005 besuchte der PrĂ€sident der Vereinigten Staaten, G. W. Bush, auf Einladung von PrĂ€sident Enkhbayar die Mongolei. HĂ€ufig zitiert wurde sein Statement, die USA seien der âdritte
strategische Partnerâ der Mongolei.
III. Wirtschaft
Mit der Auflösung des Ostblocks stand die Mongolei Anfang der 90er Jahre auch wirtschaftlich vor einer radikal verÀnderten Situation. Die Einstellung der Moskauer Wirtschaftshilfe (30% des
Bruttosozialprodukts), der Wegfall der Absatz- und BeschaffungsmĂ€rkte des COMECON (95% des AuĂenhandels), der Abzug aller osteuropĂ€ischen Experten und das Fehlen jeglicher marktwirtschaftlicher Strukturen
fĂŒhrten zunĂ€chst zu massiver Rezession: das Volkseinkommen schrumpfte von 1991-93 um 20%, die Exporte fielen um die HĂ€lfte, die Investitionen um 70%. Die Inflationsrate stieg auf ĂŒber 400%. Westliche
GeberlĂ€nder und internationale Organisationen haben seit 1990 zur UnterstĂŒtzung der demokratischen Reformen und des Ăbergangs zur Marktwirtschaft finanzielle Hilfe von rd. 1 Mrd. US-$ geleistet. Diese Krise
konnte ĂŒberwunden werden. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2004 um rd. 10% (2003: 5,3%). Von 2005 bis 2007 stieg das BIP auf das Doppelte an und erreichte 2007 1480 USD.
2007 betrug das reale Wirtschaftswachstum der Mongolei 9,9%, in den letzten 5 Jahren lag es durchschnittlich bei 8,6%. HandelsbilanzĂŒberschuss 2007: 2,7%. Die Devisenreserven stiegen im Jahr 206 auf 687,3 Millionen USD. Nach wie vor problematisch bleiben die hohe Arbeitslosigkeit und die Inflationsrate, die allerdings 206 auf 6% gesenkt werden konnte. Die AuĂenverschuldung der Mongolei lag 2007 bei 1413,9 Millionen USD. Die Mongolei ist 1997 als erstes Transformationsland der WTO beigetreten und hat sich dem System des multilateralen Handels geöffnet. Der AuĂenhandel trĂ€gt fast ein Drittel zum Bruttonationaleinkommen bei.
IV. Bilaterale Beziehungen (ohne Wirtschaft)
Am 31.01.1974 nahm die Bundesrepublik Deutschland diplomatische Beziehungen mit der auf. AnlÀsslich des Besuchs des damaligen StaatsprÀsidenten der Mongolei P. Ochirbat inder Bundesrepublik wurde am
19.09.1995 eine âGemeinsame ErklĂ€rung ĂŒber die Grundlagen der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Mongoleiâ unterzeichnen. Deutschland ist der wichtigste Partner der Mongolei in Europa.
Das besonders freundschaftliche VerhĂ€ltnis beider Staaten ist in den damals engen Beziehungen zwischen der Mongolei und der DDR begrĂŒndet. Die DDR errichtete in Ulaanbaatar das gröĂte Fleischkombinat Asiens und
leistet auch in anderen Bereichen von Industrie und Landwirtschaft eine bedeutende Entwicklungshilfe (Teppichfabrik, Goldgrube Boroo, Staatsgut). Anfang der 90er Jahre gab es rund 20 000 mongolische BĂŒrger mit
deutschen Sprachkenntnissen, inzwischen wird die Zahl mongolischer BĂŒrger mit Deutschlanderfahrung auf ca. 30.000 geschĂ€tzt. Infolgedessen ist die deutsche Sprache ist weit verbreitet (an zweiter Stelle nach
Russisch) und hat damit - gemessen an der Bevölkerungszahl von 2,4 Mio. - eine in Ostasien einzigartige Bedeutung. Deutschland gilt als wichtigster Partner innerhalb der EuropÀischen Union und ist nach Japan
zweitgröĂtes bilaterales Geberland im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit. Mit der deutschen Vereinigung ĂŒbernahm die Bundesrepublik Deutschland auch zahlreiche Entwicklungsprojekte der ehemaligen DDR und die
Betreuung von Hunderten mongolischer Stipendiaten in den neuen BundeslÀndern. Gemessen an der geringen Einwohnerzahl gehört die Mongolei zu den von der Bundesrepublik Deutschlands am meisten geförderten LÀndern.
Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit sind Wirtschaftsreformen, Regionale Wirtschaftsförderung, Energiewirtschaft, Umweltpolitik und Schutz natĂŒrlicher Ressourcen. Die Konrad-Adenauer-Stiftung ist in
Ulaanbaatar mit einem BĂŒro vertreten, Friedrich-Ebert-Stiftung und Hanns-Seidel-Stiftung sind ĂŒber RegionalbĂŒros von Peking aus engagiert. Zur Zeit sind 1400 Studierende aus der Mongolei an deutschen Hochschulen
immatrikuliert, davon 2/3 Frauen.
AnlÀsslich eines Besuches des damaligen BundesprÀsidenten Roman Herzog in Karakorum (Khar Khorin) im September 1998 wurde ein gemeinsames Ausgrabungsprojekt in der alten
mongolischen Hauptstadt Karakorum ("Mongolisch-Deutsche Karakorum-Expedition") beschlossen. Die seit 2000 vom Deutschen ArchÀologischen Institut, der UniversitÀt Bonn und der Mongolischen Akademie der
Wissenschaften betriebenen Ausgrabungen stehen unter der Schirmherrschaft des deutschen und des mongolischen Staatsoberhauptes.
Im Juni 2000 fand ein Arbeitsbesuch des damaligen mongolischen PrÀsidenten Bagabandi in der Bundesrepubik statt. Im April 2002 weilte Nambarin Enkhbayar, damals MinisterprÀsident der Mongolei zu einem
offiziellen Besuch in der Bundesrepublik. Vom 14. bis 17. Juni 2005 besuchte der damalige MinisterprÀsident Elbegdorj die Bundesrepublik Deutschland. Dieser Besuch, der auch durch intensive GesprÀche und die
gemeinsame Eröffnung der Ausstellung âChingis Khan und seine Erbenâ mit Altbundeskanzler Gerhard Schröder geprĂ€gt war, fĂŒhrte zu einer weiteren Festigung der deutsch-mongolischen Beziehungen. Im April 2006
nahmen beide Ministerien fĂŒr AuswĂ€rtige Angelegenheiten einen jĂ€hrlich stattfindenden und institutionalisierten auĂenpolitischen Dialog auf. Am 11. und 12. Juni 2006 war BundestagsprĂ€sident Dr. Lammert der
höchste Gast bei den Feierlichkeiten zum 800. Jahrestag der GrĂŒndung des Mongolischen Staates. Vom 16. bis 20.09.2007 weilte der Vorsitzende des GroĂen Staatskhurals der Monglei, D. Lundeejantsan, zu einem
offiziellen Besuch in der Bundesrepublik.
Die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der Mongolei wurden 2007 als âumfassende Partnerschaftâ (âComprehensive Partnershipâ) eingestuft. Bisher trugen nur die Beziehungen der Mongolei zu
den USA und zu Japan dieses PrÀdikat.
V. Bilaterale Wirtschaftbeziehungen
Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und der Mongolei ist sehr gering (2004: 47,1 Mio. USD) und durch ein starkes Ungleichgewicht gekennzeichnet: Die deutschen Exporte lagen mit 41,3 Mio. USD um ein
Vielfaches höher als die deutschen Importe (rd. 5,8 Mio. USD). Trotz bestehender Defizite und ungĂŒnstiger geographischer Faktoren haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen leicht gebessert. Ca. 30 deutsche
Unternehmen haben in der Mongolei investiert.
In der Mongolei tÀtige deutsche Firmen bzw. deutsch-mongolische Joint-Ventures sind unter anderem die Lufthansa-Technik in Kooperation mit der staatlichen Fluggesellschaft MIAT, das Brauereiunternehmen
"Khan BrÀu" und die Daimler-Vertretung (Mongolia Star Melchers).
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